Fahrradtransport mit der Bahn: unerwünscht

Fahrradreisen sind schwer im Trend: Es gibt inzwischen viele gut ausgebaute und beschilderte Fernradwege, auf denen es Spaß macht, über Tage und Wochen unterwegs zu sein. Es gibt spezielle Touren-Handbücher und Karten dazu, und Unterkünfte und Cafés haben sich auf die Radfahrenden spezialisiert. Trotzdem wird Radtourismus in den letzten Jahren in Deutschland immer schwieriger, und schuld daran ist die Bahn: Sie macht es den Kundinnen und Kunden nämlich zunehmend schwer, mit dem Fahrrad im Zug unterwegs zu sein, seit es mit dem Wegfall der InterRegios nur noch ein sehr löchriges Netz von Fernzügen mit Fahrradmitnahme im Land gibt. Und häufiges Umsteigen von einem Zug zum anderen ist mit Fahrrad und Gepäck keine gute Option – von den bekannten Verspätungsrisiken ganz abgesehen. Gleichzeitig ist der Zug eigentlich die perfekte An- und Abreise für einen Radurlaub, denn man kann zu einem Ort hin und von einem anderen Ort zurückfahren und mit viel Fahrrad und viel Gepäck im Zug unterwegs sein. Und nicht zuletzt gibt es eine wachsende Gruppe von Menschen, die bewusst ohne Auto leben und die oft genau solch einen Urlaub machen – und auf die Bahn als Zubringer angewiesen sind.

Einer der beliebten und viel beworbenen Fernradwege ist der zwischen Berlin und Kopenhagen, der verspricht: „Zwei pulsierende europäische Metropolen 700 grün-blaue Fahrrad-Kilometer und eine kurze Seereise – der internationale Radweg Berlin-Kopenhagen verbindet die deutsche und die dänische Hauptstadt über drei idyllische Regionen und viele freundliche Menschen.“[1] Wunderbar mit dem Fahrrad, doch leider gibt es inzwischen kaum noch eine Möglichkeit, auch wieder zurückzukommen. Seit Dezember 2014 gibt es keine brauchbare Möglichkeit mehr, auf dieser Strecke ein Fahrrad mit der Bahn zu transportieren: Der direkt verkehrende ICE nimmt – obwohl er technisch sogar einmal dafür ausgelegt war – prinzipiell keine Fahrräder mit. Warum in Deutschland Fahrrad und ICE nicht zusammengeht, während beispielsweise im schnelleren TGV in Frankreich Fahrradmitnahme kein Problem ist, bleibt ein Geheimnis der DB.

Auf anderen Strecken gibt es als Alternative immerhin die Möglichkeit, das Fahrrad als Kuriergepäck zu verschicken und nur selbst – mitsamt den eher unhandlichen Taschen – im Zug zu fahren, doch auch diese im Übrigen sehr teure Möglichkeit gibt es zwischen Deutschland und Dänemark nicht. Seit neuestem macht die DB ihrem eigenen Zug Konkurrenz durch einen zweimal wöchentlich verkehrenden IC-Bus, bei dem man analog zum namensgebenden InterCity eigentlich wenigstens Fahrradplätze erwarten würde, doch auch hier: Fahrradmitnahme nicht möglich. Bis Dezember gab es immerhin noch genau eine elegante Möglichkeit zur Reise zwischen Berlin und Kopenhagen mitsamt Fahrrad, nämlich den Nachtzug. Doch dieser wurde so wie viele andere Nachtzuglinien der DB AG ersatzlos eingestellt – offensichtlich ohne dass man einmal einen Gedanken daran verschwendet hätte, wie denn von nun an vernünftigerweise Menschen mit Fahrrädern unterwegs sein sollten.

Damit ist die einzige verbleibende Möglichkeit für eine Zugfahrt mitsamt Fahrrad zwischen Kopenhagen und Berlin eine Verbindung mit drei- oder viermaligem Umsteigen, zusammengesetzt aus ICs und Regionalexpressen teilweise mit Fünf-Minuten-Umsteigezeiten – mit Fahrrad und Gepäck ein extrem sportliches bis unmögliches Unterfangen. Ein Konzept für eine Fahrradbeförderung zwischen den beiden Hauptstädten und Zielpunkten des Fernradwegs ist das nicht. Im Flugzeug ist die Fahrradmitnahme übrigens im Gegensatz zur Bahn überhaupt kein Problem, bei vielen Airlines wird es sogar als Inklusiv-Gepäckstück ohne Aufpreis mitgenommen.

So wird ökologisches Reisen von der Bahn sabotiert: Wer mit Fahrrad unterwegs ist, wird nicht mitgenommen – sollen sie doch fliegen oder immer wieder umsteigen und dabei ihre Anschlusszüge verpassen. Das nennt sich dann „Unternehmen Zukunft“ und wird nicht müde, seine Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele als „Umwelt-Vorreiter“ zu betonen. Liebe DB, wer sich so großspurig als „grün“ darstellt, sollte wenigstens aufpassen, dass er sein Angebot für wirklich grün reisende Menschen nicht massiv verschlechtert – sonst wird es wirklich peinlich.

 


[1] www.bike-berlin-copenhagen.com

3 Gedanken zu „Fahrradtransport mit der Bahn: unerwünscht“

  1. Habe selber schon die Erfahrung gemacht, dass der Transport mit der Bahn bzw mit der deutschen Bahn nicht wirklich gerne gesehen wird. Auch die anderen Fahrgäste waren nicht wirklich angetan davon.

    1. Aber beides ist ja auch ganz entscheidend eine Frage davon, wie die Fahrradmitnahme im Zug organisiert ist. Daher sehe ich die Bahnunternehmen in der Pflicht, das gut zu machen – und damit die umweltfreundliche Kombination zu ermöglichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.