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Elektroauto-Kaufprämie: Förderung der Autoindustrie statt der nachhaltigen Mobilität

Es war einer der schwärzesten Momente für die Grünen: 2013 veröffentlichte BMW ein Video, in dem Joschka Fischer, langjähriger Quasi-Chef der Partei, Werbung für den i3 mit Elektroantrieb macht: Ein Traum sei für ihn wahrgeworden, das Auto sei ein „Statement“, das „auch noch Spaß macht“.[1] Aber auch jenseits solcher peinlichen Dokumente des politischen Verfalls setzt sich die Partei schon seit geraumer Zeit für die Förderung von Elektroautos ein, besonders für eine Kaufprämie, die Kundinnen und Kunden die vergleichsweise teuren Fahrzeuge schmackhaft machen soll.[2] Die Autolobby ist von dieser Idee natürlich ebenfalls begeistert.

Die Prämie wird nun neuerdings auch in der Regierungskoalition diskutiert. Bis zu 5000 Euro sind im Gespräch, um das Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen im Jahr 2020 vielleicht doch noch zu erreichen. Bislang sind noch nicht einmal 30.000 davon unterwegs – und die Zahlen der Neuzulassungen sprechen nicht dafür, dass sich daran in den nächsten Jahren viel ändern wird. Selbst wenn man Plug-In-Hybride, die noch einen zusätzlichen Verbrennungsmotor haben, großzügig mit hinzurechnet, kommt man noch nicht einmal auf 50.000 Autos. Für die viel beschworene „Elektromobilitätsstrategie“ sieht es also nicht gut aus, obwohl das 2015 erlassene Elektromobilitätsgesetz schon die Freigabe von Busspuren für E-Autos und andere fragwürdige Maßnahmen ermöglichte. Es scheint bislang vor allem Finanzminister Wolfgang Schäubles starke schwäbische Hand an der Staatskasse zu sein, die staatliches Geld für den Kauf von E-Autos verhindert hat. 2009 war die Autolobby sehr viel schneller erfolgreich, als sie die „Abwrackprämie“ als fragwürdige Lösung der Wirtschaftskrise durchsetzen konnte.

Ob eine Kaufprämie die Verkaufszahlen von E-Autos wirklich in die Höhe treiben würde, ist umstritten. Bei der Debatte um die Prämie gerät die eigentlich entscheidende Frage jedoch in den Hintergrund: Sind Elektroautos denn überhaupt sinnvoll und damit förderungswürdig? Mehrere Studien haben gezeigt, dass ihre Ökobilanz höchst zweifelhaft ist.[3]

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Essen im Tank

Warum Biosprit und Elektroantrieb den Klimawandel nicht aufhalten

Unter dem Eindruck von Klimakrise und absehbarer Erschöpfung fossiler Energieträger wie Erdöl wird über neue Technologien zur Fortsetzung des gängigen Mobilitätsmodells diskutiert: Aus Pflanzen hergestellte „Bio“kraftstoffe und Elektroautos sollen Abhilfe schaffen. Eine falsche Strategie, wie Bernhard Knierim darlegt.

Der Autor nimmt beide Technologien – die aus Agrarpflanzen hergestellte Energie und den elektrisch betriebenen Individualverkehr – kritisch unter die Lupe, erklärt sie allgemein verständlich und untersucht ihr Potenzial zur Lösung der ökologischen Probleme.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Wollte man unseren Verkehr ausschließlich mit aus Pflanzen gewonnenen Kraftstoffen betreiben, so würden die vorhandenen Agrarflächen dafür bei weitem nicht ausreichen. Ähnlich fällt eine kritische Analyse der Elektroautos aus: Sie schneiden kaum besser ab als Kraftfahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. Auch steht Elektrizität aus erneuerbaren Energien auf absehbare Zeit nicht im Überfluss zur Verfügung. Und individualisierte Elektromobilität schafft neue Probleme, weil für ihre Herstellung zusätzliche Rohstoffe benötigt würden.

Knierim plädiert statt dieser angeblich „grünen“ Technologie  für eine Änderung der Struktur unserer Mobilität. Dazu ist es notwendig, das Verkehrswachstum zu stoppen. Noch immer versuchen uns die Profiteure des Status quo einzureden, dass neue Straßen und Flugrouten unsere Lebensqualität steigern würden. Das Gegenteil ist der Fall: Wir werden durch den wachsenden Verkehr nicht mobiler, sondern immer stärker belastet. Änderungen des Verkehrsverhaltens durch neue Anreize sind unabdingbar. Lösungen auf rein technischem Wege entpuppen sich in der Analyse als falsche Versprechen.

Eine solidarische Mobilität, wie sie in diesem Buch skizziert wird, würde nicht nur Umwelt und Klima sehr viel weniger belasten, sondern auch Mobilität für alle Menschen gewährleisten – inklusive Alten, Minderjährigen und Menschen mit Behinderungen, die in unserer Auto-zentrierten Gesellschaft oft nicht selbstständig mobil sein können.

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Wien (Promedia-Verlag) 2013; ISBN 978-3-85371-354-9, 240 Seiten, 17,90 Euro

Weitere Informationen zum Buch auf der Homepage des Verlages: http://www.mediashop.at/typolight/index.php/buecher/items/bernhard-knierim-essen-im-tank

Ein Interview mit Bernhard Knierim zum Buch auf Telepolis findet sich hier: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40090/1.html